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25 Jahre Kräuterwiese)

Am Gras klebt keine Analyse!
Wie und woher kann man den Mineralstoffgehalt wissen?.
Artikel von Dr. B. Wichert
Die Wichtigkeit einer bedarfsgerechten Mineralstoffversorgung ist unbestritten. Wenn man nun allein die Menge (kg) der unterschiedlichen Futtermittel zu einander in Beziehung setzt, also Gras oder Heu oder Silage zu Getreide oder Kraftfutter
(Pellets) u. U. Saftfutter (Rüben, Ö), so findet man schnell heraus, dass ca. 3/4 des Gesamtfuttervolumens auf das — nennen wir es - Grundfutter entfallen. Logisch, dass der Mineralstoffgehalt desselben in einer Rationsberechnung eine wichtige Rolle spielt. Nur, - woher kenne ich den? - Am Gras klebt keine Analyse! —

Aber es gibt Tabellenwerke, in denen einmal gesammelte Werte von einigen Heupartien, veröffentlicht wurden. Da nicht sicher ist, ob diese auch unter heutigen Erntebedingungen noch gültig sind, gibt es einige wenige Untersuchungen, die dies überprüfen wollen. Die Ergebnisse solcher Studien werden in der Fachpresse veröffentlicht. Nun sollte man denken, Heu aus einer Region, z. B. dem Alpenraum, würde in den meisten Mineralstoffwerten keine großen Abweichungen zeigen. Vergleichende Untersuchungen zwischen Oberbayern und der Schweiz (Kienzle und andere, 2008) zeigen aber, dass noch einige andere Maßnahmen und Bedingungen den Gehalt beeinflussen von z.B. Calcium, Phosphor und Magnesium, um nur die wichtigsten Mengenelemente zu nennen.
In dieser vergleichenden Untersuchung über Mineralstoffgehalte in Heu aus Oberbayern sowie der ganzen Schweiz wurde festgestellt, dass die Calciumgehalte in reinem Grasheu bei einem mittleren Gehalt von 4g Calcium/kg Trockensubstanz lagen. Deutlich höhere Calciumgehalte wurden dagegen in Heu mit mehr als 10% Anteil an Leguminosen (Klee, Luzerne, etc.) und Kräutern gefunden.
Hier betrugen die Gehalte mehr als 7g Calcium/kg Trockensubstanz. Solches Heu kam allerdings in diese Studie fast nur aus der Schweiz, da die untersuchten Heupartien aus Oberbayern nur aus Gräsermischungen bestanden. Natürlich kommen nicht nur in der Schweiz Kräuter- oder Leguminose - reiche Wiesen vor. Die Aussage bedeutet: die Pflanzengesellschaft gibt Aufschluss über evtl. hohe Calciumgehalte. Bei den übrigen Mengenelementen: Phosphor, Kalium und Magnesium konnten Unterschiede in den Gehalten leider nicht auf die botanische Zusammensetzung des Heus zurückgeführt werden. In Bezug auf Magnesium und wiederum auch Calcium ist das Pflanzenalter und damit der Schnittzeitpunkt des Heus ein wichtiger Einflussfaktor - je älter die Pflanze bei der Ernte, desto niedriger war der gemessene Gehalt an Magnesium und Calcium. So wurden bei sehr späten ersten Schnitten (also nach der Blüte) Gehalte an Magnesium von weniger als 1,5g Mg/kg TS und an Calcium von weniger als 4g Ca/kg TS gefunden. Hier zeigte sich, dass das Wissen um das Pflanzenalter beim Schnittzeitpunkt, (das am Stadium der Blütenbildung erkannt werden kann), einen wichtigen Hinweis für eine sinnvolle Rationsberechnung gibt. Denn der Mineralstoffgehalt des Grundfutters beeinflusst natürlich die „optimale“ Menge eines hinzu zu fügenden Mineralfutters.
Wie oben schon erwähnt, wäre die Bewertung sehr einfach, wenn dieselben Regeln für alle Mineralstoffe gelten würden. In der genannten Untersuchung zeigte sich aber auch, dass die Gehalte an Phosphor und Kalium deutliche regionale Unterschiede (hier bewertet zwischen der Schweiz und Oberbayern) aufweisen können. So lagen die Phosphorgehalte im Heu in der Schweiz nur bei durchschnittlich 1,8 ± 0,7 g/kg TS und die Kaliumgehalte bei 15,4 ± 5,1g/kg TS, wogegen in Oberbayern Gehalte von 3,8 ± 0,6g Phosphor und 20 ± 6g Kalium /kg TS gefunden wurden. (Regional meint hier nicht nur die Landschaft, sondern auch die gebräuchliche Wirtschaftsweise, s.o.). Es ist daher stark zu vermuten, dass insbesondere die Gehalte an Phosphor im Norden Deutschlands eher noch höher ausfallen würden.
Insgesamt lässt sich aus den beschriebenen Untersuchungsergebnissen -wie erwartet- der Schluss ziehen, dass mit Hilfe von Tabellenwerten die tatsächliche Mineralstoffversorgung von Pferden nur ungenau geschätzt werden kann, vor allem, da Heu und Grünfutter für Pferde nur selten auf die Mineralstoffgehalte hin untersucht werden und deshalb nur wenig „neue“ Ergebnisse hierzu vorliegen. Insbesondere fehlen Daten zu heute extensiver bewirtschafteten Flächen und extrem spät geschnittenen Heuchargen.
Die hier genannten Möglichkeiten die „Schätzung“ der Mineralstoffe z.B. für Calcium und Magnesium etwas genauer zu gestalten, kann aber insbesondere für Zuchtbetriebe sinnvoll sein. Denn das gesunde Skelettwachstum der Fohlen kann durch eine unausgewogene Mineralstoffversorgung möglicherweise beeinträchtigt werden.
Ausgewachsene Pferde im Erhaltungsstoffwechsel (also ohne grosse Arbeitsleistung) reagieren - Gott sei Dank - recht tolerant auf gewisse Imbalancen in der Versorgung mit Mineralstoffen, sofern nicht langfristig ein deutlicher Mangel besteht.
 


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